Presse

 

 

 

2015

Noch einmal mit Humor und Kritik

Horst Feldhege kündigte in der Stadthalle seinen Abschied als Otto Reutter von der Bühne an

Montag, 30. März 2015, Ruhr Nachrichten, Autor: Antje Pflips

Otto-Reutter-Abend Otto-Reutter-Abend Otto-Reutter-Abend

Das Ampelmännchen auf Grün. Das Publikum: erwartungsvoll. Hoch motiviert: Horst Feldhege als Otto Reutter. Einen stimmungsvollen Abend mit Couplets des Berliner Sängers Otto Reutter gestaltete Horst Feldhege am Freitagabend in der Stadthalle.

Zwischen den Gesangsdarbietungen erzählte Feldhege vom Werdegang des Otto Pfützenreuter aus Gardelegen, der zu Otto Reutter, dem berühmtesten Sänger im Berlin seiner Zeit wurde. Mehr als 1000 Couplets (witzig-zweideutige, satirische Lieder) soll er geschrieben haben. Die beliebtesten davon trug Feldhege, klassisch mit Zylinder und gestreiftem Sakko, vor. Kurt Tucholsky soll gesagt haben: „Was Caruso unter den Tenören, ist Otto Reutter unter den Humoristen“ zitierte Feldhege.

Noch heute sind die Otto-Reutter-Texte so aktuell wie in ihren Entstehungsjahren. Anscheinend hat sich im Zusammenleben nicht viel geändert. Reutter suchte sich seine Themen in den Zeitungen, in Gaststätten oder Cafés, in denen er die Leute beobachtete und genau zuhörte. Er verfasste seine Ergebnisse mal humoristisch, parodistisch aber auch gesellschaftskritisch und nachdenklich.

In "Alles weg'n de Leut" wird alles getan, um anderen zu imponieren. Kunstinteresse wird vorgetäuscht, teuerer Schmuck getragen, zu Hause jedoch auf Sparflamme gekocht. "Sei modern" befasst sich mit aktuellen Trends, die von vielen mitgemacht werden. Über die Mühe und Arbeit der Hausfrau beim Kochen schreibt Reutter in "Die ganze Geschicht', die lohnt sich nicht". "Die fünf Stunden Arbeit, den schönen Schmaus - den frisst er in fünf Minuten auf". Der Überzieher war auch im Programm und kam vor der Pause.

Otto-Reutter-Abend

Horst Feldhege ging auch durch die Publikumsreihen.

 

In Don-Kosaken-Art

Den zweiten Teil eröffneten die "Harmonias" des Männerchors Harmonia mit "Mein Weib will mich verlassen". Das Volkslied "Ein Männlein steht im Walde" nach Don-Kosaken-Art gesungen, sorgte für viele Lacher. Weiter ging es im Programm mit "Villa Neureich", über Leute, die schnell zu Geld gekommen sind. Im Couplet "Kinder, Kinder, sorgt für Kinder" wird parodistisch dazu aufgerufen, für Staat und Militär für Nachwuchs zu sorgen. "Doch das Volk es fehlt - wird keiner mehr geboren, dann zahlt keiner Steuern mehr, kein Zivil gibt's und kein Heer".

In mehreren Couplets befasst sich Reutter mit den Frauen. "Sie sind des Herrgotts Meisterstück und sind das Schönste der Welt", schreibt er in "wie reizend sind die Frauen". Doch vorher warnt er: "Wenn man sie erst geheiratet hat, fällt man meistens rein". Jungen Frauen rät er sogar noch "Nehm'n se 'n Alten", denn der bliebe treu bis in die Ewigkeit und sei besser als nichts. Mit viel Applaus und Blumen bedankte sich das Publikum. Horst Feldhege sei heute noch besser als bei seinem letzten Auftritt, fanden etwa Theo und Maria Brömmelkamp aus Olfen. "Mir gefallen am besten die Inhalte mit ihrer Kritik am System", sagte Werner Mormann.

Wer den Abend am Freitag verpasst hat, wird es nicht so leicht haben, noch in den Genuss von Horst Feldheges Darbietung zu kommen. Feldhege kündigte an, dass dieser Abend sein letzter Auftritt auf einer Bühne gewesen sei. Er werde fortan nur noch auf privaten Veranstaltungen singen.